16/1 44 Heisenberg Kakerlaken
Sonntag, 16/1 44. Bis ½ 10 ausgeruht, nicht geschlafen, aber gestärkt durch den schönen Abend, alles schlief noch im Hause, Corrie machte mir eine Tasse Tee. Telefonierte mit Weber-Schumburg, dann fuhr ich mit dem Autobus T nach Schlachtensee, dort war Mutius schon. Schönes Gespräch über meinen Budapester Vortrag, über Epp als Füsillade (de Bonald), schönen Tee getrunken mit Duschka und Claire. Wir fuhren um ½ 1 nach Steglitz, kamen Punkt ½ 2 bei Popitz an, zum Hasenbraten, war aber zu und scharf, schöner Bordeaux dazu, nette, aber (wohl infolge der guten Knaben[)] etwas stockende Unterhaltung. Nachher tranken wir noch Tee. Um ½ 4 brachte ich die beiden zum Autobus, von wo sie zu Frau Hahm fuhren. Immer in Sorge um Duschka, das Gespräch von Herrn Dames, der den Juden ausgetrieben hat, vom Hausmeister, dem gekündigt ist usw. Ich sehe schwarz, aber die tapfere Duschka fürchtet sich nicht. Ging nach Hause zurück und schlief bis 6, das tat mir gut, einen Augenblick schön gearbeitet über Donoso Cortés. Erstaunt über meine Erkenntnisse 1921. Heute keinen Schritt weiter. Um 7 einen Augenblick mit Hodler gesprochen. Beim Abendessen Gespräch über .
Nachher Radio, romantische Musik, sehr schön Marschner und Weber, scheußlich der verlogene Wagner mit seinem Waldweben und seinem Lohengrin (Gohohohohoot). Erste streitsüchtige Gespräche mit Popitz über die Kastration des 2. Reiches und seinen Zusammenbruch, Identitätsfrage, falscher Kompromiß, allmählich friedlicher, welch ein Abgrund zwischen uns! Dann noch wunderschöner Bordeaux 33er, herrlich, leider war Popitz todmüde, ich war munter, wir sprachen über meinen Budapester Vortrag, den er gelesen hat und der ihm zu gefallen scheint. Das machte mir Freude, vergaß die Luftkriegssituation, in der ich stecke, und war eine Stunde lang munter. ½ 12 zu Bett. Gut habe ich Kanne dafür für Schöler.