Dienstag, 18/1 44. Bis 10 im Bett, ausgeruht, immer noch gehoben von dem Gespräch und der Anerkennung. Überlegte einige Änderungen, frühstückte, glücklich, daß kein Alarm war, zur Stadt, fragte Pyritz nach der Äußerung Goethes: [(]Es bedarf nur eines Juden), traf Hedemann, der einen Vortrag in Spanien halten soll, dann meine Vorlesung, sehr gut (Verfassungsrechtsvergleich, über Ministeriale), nachher gab ich dem jungen Ungarn das Manuskript für Kuncz; mit einem netten Postbeamten, der bei mir hört, Bartsch, in der Bahn gefahren, über Post unterhalten, dann nach Schlachtensee, schöne Fahrt; mein Gott, jetzt werde ich wieder auf diese Ebene geführt; innerlich ganz passiv; alles war die schreckliche Sorge Duschkas, nicht meine eigene. Aß mit Anni und Tante Claire schon zu Mittag, ging zu Bett (Duschka ist zu Popitz). Freute mich, als sie kam, schlief eine Stunde gut, um 4 aufgestanden, Weber-Schumburg kam, nachher noch Frau Hahm, nettes Gespräch, über Schweden, Blötz, um 5 ¼ zurück, Tee und Schnaps getrunken. Gab Weber-Schumburg meinen Vortrag aus Budapest; er will nach Paris. In Steglitz ausgestiegen, in der Dunkelheit gefallen, etwas am Knie verletzt, um ½ 7 schon wieder zu Hause. Nach dem Abendessen (Gespräch über Orpheus von Gluck, das Popitz mit Corrie heute Nachmittag gesehen hatte), mit Hodler über Seeßelberg, akustische Architektur, sehr interessant (2 Brennpunkte hören sich gegenseitig sehr laut). Mit Popitz eine Flasche herrlicher Rauenthaler 37, er war müde (von dem Zuhälter, nicht einmal ein Gangster, schleimiger Frank, Schwein, [ich] sah den Haß, aber ist er fruchtbar[?]), über den jüdischen Anwalt Lion und seine Frau, über Spranger, der nichts mehr mit mir zu tun haben will, seitdem ich die Judentagung 36 gemacht habe, was er damals für mich tat, er nennt sich einen Politiker und Staatsmann; gewann ihn sehr lieb. Um 11 ¼ zu Bett. Von dem Wein sehr frisch, etwas meine Vorlesung vorbereitet. Konnte nicht einschlafen.
Dienstag, 18. Januar 1944
Zwei Einträge an diesem Tag
1. Tagebucheintrag, Buch 19618
Dienstag, 18/1 44. Bis 10 im Bett, ausgeruht, immer noch gehoben von dem Gespräch und der Anerkennung. Überlegte einige Änderungen, frühstückte, glücklich, daß kein Alarm war, zur Stadt, fragte Pyritz nach der Äußerung Goethes: (Es bedarf nur eines Juden), traf Hedemann, der einen Vortrag in Spanien …
Eintrag im Buchkontext mit Annotationen lesen
Genannte Entitäten
Personen
- Hans-Werner Bartsch
- Ferdinand Blötz (1901-23.9.1970)
- Hans Frank (23.5.1900-16.10.1946)
- Johann Wolfgang von Goethe (28.8.1749-22.3.1832)
- Haidi Hahm-Blåfield
- Justus Wilhelm Hedemann (24.4.1878-13.3.1963)
- Otto Hodler (9.4.1901-10.9.1990)
- Ödön Kuncz (18.1.1884-19.3.1964)
- Lion
- Max Lion (8.6.1883-2.12.1951)
- Benito Mussolini (29.7.1883-28.4.1945)
- Johannes Popitz (2.12.1884-2.2.1945)
- Hans Pyritz (15.9.1905-23.3.1958)
- Claire Schmitt (1885-1966)
- Duška Schmitt (1903-3.12.1950)
- Cornelia Schulz-Popitz (?-5.9.1987)
- Friedrich Seesselberg (2.2.1861-20.9.1956)
- Eduard Spranger (27.6.1882-17.9.1963)
- Anni Stand (1915-1997)
- Erland Weber-Schumburg
Orte
2. Tagebucheintrag, Buch 19618
Dienstag 18/1/1944. Abends bei Popitz (Brentanostraße), wo ich gleich nach dem Abendessen mit ihm und Corrie über Orpheus von Gluck, das Popitz mit Corrie heute Nachmittag gesehen hatte, mit Hodler
Eintrag im Buchkontext mit Annotationen lesen
Genannte Entitäten
Personen
- Otto Hodler (9.4.1901-10.9.1990)
- Johannes Popitz (2.12.1884-2.2.1945)
- Cornelia Schulz-Popitz (?-5.9.1987)
Orte