Dienstag, 4. Januar 1944

Drei Einträge an diesem Tag

  • 1. Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Mit tiefen Depressionen aufgewacht, herrlicher Schnee auf den schönen Bergen, also morgen. Nachricht, daß Berlin diese Nacht wieder angegriffen ist. Mit Duschka zur Post, sie gab Briefe nach Kroatien auf. Trafen Frau Pfeiffer auf der Straße, ihr Sohn ist krank und kommt Ende der Woche. Sah Heinrich Hanebeck, während ich vor Werl auf Duschka wartete. Wunderschönes Schneewetter. Die Kinder spielten im Haus herum. Duschka will nach Berlin; ihr Mut macht mir Freude. Ging nach dem Essen ins Bett, las den rembrandtdeutschen Schmus, Bildungs-Plankton, schäme mich fast, noch Hölderlin zu zitieren; mein Begriff des Politischen ist doch einen Schritt weiter; vor allem aus diesen ästhetisch-religiösen Begriffen wie Rasse heraus. Wurde allmählig wieder ruhiger, wunderbarer Schnee, die Welt im weißen Laken, dachte mit Ruhe an die morgige Fahrt. Stand auf, schrieb an Grewe (Gratulation, über sein verbranntes Manuskript),⁠ wurde zum Nachbar Schapernack gerufen, da Sautter vom Fernschreiber anrief, daß er die Kieler Vereinigung nicht erreicht hat. Fahre jedenfalls morgen früh. Nachher nochmals gerufen, es kam die Antwort von Sogemeier.

    Freute mich, daß es klappte und fühlte mich im Zusammenhang. Ging um 5 ½ bei Mondschein mit Anima und Claire-Luischen zum Graben, im Schnee, spielten dort etwas herum, noch an den Briefkasten bei Ostermann und wieder zurück. Traurig zu Abend gegessen und mit dem Vater und Duschka Skat gespielt. Ännchen hat noch eine Flasche Moselwein aufgetrieben; Üssie etwas Wermut. Um 11 zu Bett.

    Dienstag, 4/1 44. Mit tiefen Depressionen aufgewacht, herrlicher Schnee auf den schönen Bergen, also morgen. Nachricht, daß Berlin diese Nacht wieder angegriffen ist. Mit Duschka zur Post, sie gab Briefe nach Kroatien auf. Trafen Frau Pfeiffer auf der Straße, ihr Sohn ist krank und kommt Ende der Woche. Sah …

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  • 2. Tagebucheintrag, Buch 19618, vom 3.–4.1.1944

    3/4.1.1944: Begegnung mit dem armen Rembrandt-Deutschen;⁠ typisch protestantisches, norddeutsches Gezeter. In ästhetischer Bildungskategorie, mit Rembrandt, Bismarck, , Shakespeare, Spinoza usw. als Heiligen, aufgeplusterte Begriffe wie Blut, deutsch, Volk, als Pseudo-Mythen. Wie traurig ist das alles; das unendliche Schimpfen auf die Zeit, auf die Professoren (das ist er doch selbst), auf die halbe Bildung. Das also war die „Opposition“ im Jahre 1906. Gut, daß ich nichts davon bemerkt habe, als ich Zeitgenosse war. Der große Jugendstil, rührend, auch das Ornament auf dem Buch. Erinnert mich fast an Moeller van den Bruck, planktisch im Bildungs-Plankton. Ästhetische Sehnsucht nach dem Politischen; traurig. Warum begegnet mir das alles jetzt? Weil es erledigt und bedeutungslos, geschichtlich aufgehoben ist? Wie wunderbar hat Gott mich aufgespart, für die Zeit von 1919 - 1939. Warum soll das weitergehen? Müßte ich nicht aufhören, Hölderlin zu zitieren. Ist das nicht noch immer dieser Stil.

    3/4.1.1944: Begegnung mit dem armen Rembrandt-Deutschen; typisch protestantisches, norddeutsches Gezeter. In ästhetischer Bildungs - kategorie, mit Rembrandt, Bismarck,, Shakespeare, Spinoza usw. als Heiligen, aufgeplusterte Begriffe wie Blut, deutsch, Volk, als Pseudo-Mythen. Wie traurig ist das alles; das unendliche Schimpfen auf die Zeit, auf die …

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  • 3. Briefentwurf (an Wilhelm Grewe), Buch 19618

    An Grewe : Gratulation zu seiner Vermählung; in dem Maelstrom der gegenwärtigen Weltlage ist das kleine Boot einer Familie eine sicherere Stätte als die mächtigen Vehikel riesiger Organisationen. Zu seinem Buch 1-8: Ich habe es natürlich gleich verschlungen und die überlegene Verarbeitung der konfusen historischen Literatur bewundert.⁠ Daß Sie meine Bemerkung zu Rein's Arbeiten zitieren, ist zu viel Ehre.⁠ Begreiflicherweise war die Spannung auf den Fortgang des Gedenksatzes sehr groß. Es ist zu traurig, daß das Buch nicht bald erscheint. Doch ist es schließlich auch nicht an den Tag oder das Jahr gebunden, und ich darf ihnen vielleicht, als der Ältere und als ein fatorum libellorum peritis, aussprechen, daß die Kinder unseres Geistes schon mit dem Manuskript ihr Eigenleben beginnen und unserer Väter Wünsche ! Immer ohne besseren Zeitsinn, tiefer Schnitt. Das sage ich freilich nur allgemein, denn ich kenne bisher nur eine Einleitung, die allerdings bedeutend genug ist, um dem Ganzen bereits die Fähigkeit, ein Schicksal zu haben, zuzusprechen.

    An Grewe 4/1 44: Gratulation zu seiner Vermählung; in dem Maelstrom der gegenwärtigen Weltlage ist das kleine Boot einer Familie eine sicherere Stätte als die mächtigen Vehikel riesiger Organisationen. Zu seinem Buch 1-8: Ich habe es natürlich gleich verschlungen und die überlegene Verarbeitung der konfusen historischen Literatur bewundert. Daß …

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