Dienstag, 3. August 1943

Ein Eintrag an diesem Tag

  • Tagebucheintrag, Buch 19618

    . Um 6 aufgestanden, alles macht sich zur Abreise bereit, wir fuhren mit vielen Koffern mit der S-Bahn zum Lehrter Bahnhof;⁠ auf dem Bahnhof Friedrichstraße⁠ tat Duschka,⁠ in gewohnter Sicherheit, einen belgischen Arbeiter auf, der uns die Koffer trug und beim Einsteigen am Lehrter Bahnhof half. Entsetzliche Überfüllung, flüchtendes Berlin,⁠ mit Frauen und Kindern, Geschrei, Gepäck; Claire⁠ findet sich in solchen Situationen fabelhaft zurecht; Duschka bleibt seelenruhig. Sie wurde schließlich durch das Fenster in das gefüllte Abteil hineingedrückt. Grauenhaft, ich war kurzatmig, müde weggegangen, mit dem Belgier (Christian)⁠ noch ein Glas Bier bei Aschinger⁠ getrunken. In das Magazin der Universitätsbibliothek,⁠ das ist die beste Erholung, etwas über peaceful change⁠⁠ gefunden, meine eigenen Bücher, erst deprimiert, nachher wieder selbstbewußt (besonders wenn ich die Randbemerkungen zur „Politischen Romantik“⁠ sehe). Müde in der fürchterlichen Hitze nach Hause. Einen Augenblick wieder leichtsinnig, aber das verging einem in dieser Situation. Schlief Nachmittags etwas, badete, trank Milch, um ½ 5 kam das sympathische Fräulein Pengel⁠⁠ mit dem Referendar Hojer⁠ aus Hamburg, der von der Zerstörung erzählte und ein Notexamen machen will.⁠⁠ Netter Kerl, mit einem Arm, behielt ihn aber nicht bei mir. Dachte immer an Georg Eisler⁠ und die Rache der Juden. Sie gingen um 6, rief Fraenger⁠ an und lud ihn für den Abend ein, nicht zum Abendessen. Er will nicht von Berlin weg: „In dieser existenziellen Stunde ziehe ich die Flagge nicht ein.“ Er kam auch und las mir über die Hölle von Bosch⁠ vor (die Mönchshölle, die Musikhölle, weiteres, aber nicht besonders gut, vieles hübsches, vieles dummes Zeug.⁠⁠ Rituelle Stilzeichen; die Übersteigerung des Vorgangs der Unterschrift: Er will immer einen Zusatz konstruieren), ich war todmüde, er sprach von Brentano,⁠ schwärmte, von Freimaurern, dummerweise zitierte ich Konrad Weiss⁠ (Es hat in tiefen Flüssen),⁠⁠⁠⁠ bis ½ 11. Erzählte von Derleth,⁠ den Georgianer,⁠⁠ was soll das alles, ich bin dem damals entgangen, jetzt läuft es mir nach; Herr, gib uns blöde Augen.⁠⁠ Müde in der Hitze zu Bett. Dachte an Mussolini:⁠ primi oculi vincuntur.

    Donnerstag, 3/8 43. Um 6 aufgestanden, alles macht sich zur Abreise bereit, wir fuhren mit vielen Koffern mit der S-Bahn zum Lehrter Bahnhof; auf dem Bahnhof Friedrichstraße tat Duschka, in gewohnter Sicherheit, einen belgischen Arbeiter auf, der uns die Koffer trug und beim Einsteigen am Lehrter Bahnhof …

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